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Anlage 1 Hinweise zu Messverfahren

A 1.1 Luftbildvermessung (Photogrammetrie)

A 1.1.1 Grundsätze

(1) Die Verfahren der Luftbildvermessung sind aus wirtschaftlichen Gründen lediglich für die Bestandserfassung großflächiger Liegenschaften einzusetzen. Die Geländeoberflächen der zu erfassenden Liegenschaften müssen überwiegend luftsichtbar sein, damit der Aufwand für terrestrische Nachmessungen so gering wie möglich gehalten werden kann.

(2) Die Ergebnisse der Luftbildvermessung sind im einheitlichen, liegenschaftsbezogenen Lage- bzw. Höhenbezugssystem (Kapitel 3) zu bestimmen.

(3) Die Genauigkeit und der Aufnahmemaßstab der Luftbildvermessung sind den Anforderungen der baufachlichen Aufgaben anzupassen, für deren Zweck die Messungen durchgeführt werden. Bebaute Bereiche der Liegenschaften sind grundsätzlich für den Auswertemaßstab 1 : 500 zu befliegen.

Die Genauigkeiten sind abhängig vom Auswertemaßstab der Luftbildvermessung. Nachfolgende Richtwerte sind einzuhalten:

Richtwerte für die Anwendung photogrammetrischer Verfahren

Auswertemaßstab

Punktlagegenauigkeit

Höhengenauigkeit

Auswerteart

Anwendungsbereich

1 : 500

< 0,05 m

< 0,10 m

Vektor

bebaut

1 : 1 000

< 0,10 m

< 0,20 m

Vektor/Orthophoto

unbebaut

1 : 2 500

< 0,15 m

< 0,30 m

Vektor/Orthophoto

unbebaut

1 : 5 000

< 0,25 m

< 0,50 m

Vektor/Orthophoto

unbebaut

(4) Bebaute Bereiche der Liegenschaften sind hinsichtlich Art und Umfang nach den Systemkatalogen (Anhänge A, B, C) im Vektorformat auszuwerten, wenn für diese keine Liegenschaftsbestands­dokumentation (Kapitel 2) vorhanden ist. Für Planungsaufgaben in unbebauten Bereichen der Liegenschaften, die keinen direkten Höhenbezug erfordern (z. B. Übersichtspläne), können als Ergebnisse der Luftbildvermessung Orthophotopläne, siehe Ziffer A 1.1.4.2 dieser Anlage, erstellt werden.

A 1.1.2 Passpunkte

(1) Passpunkte für die Herstellung der äußeren Orientierung sind gemäß den Genauigkeitsanforderungen (A1.1.1) anzulegen. Im Regelfall werden diese als temporäre Punkte eingerichtet, die für die Dauer der Luftbildvermessung Bestand haben müssen. Werden die Passpunkte für topographische Anschlussmessungen genutzt, sind die Vorgaben des Kapitels 3 zu beachten.

(2) Luftsichtbare liegenschaftsbezogene Festpunkte im Aufnahmegebiet sowie Festpunkte der Vermessungsverwaltung sind als Passpunkte zu verwenden, wenn sie den Auswertegenauigkeiten gemäß Ziffer A1.1.1  dieser Anlage genügen.

Die verwendeten Anschluss­punkte bei der Passpunktbestimmung (LAP, LHP sowie Festpunkte der Vermessungsverwaltung) sind nach den entsprechenden Vorschriften auf Veränderungen der Punktmarke in der Örtlichkeit zu überprüfen. Die Überprüfung ist nachzuweisen.

(3) Die Messungen zur Bestimmung der Lage- und Höhenpasspunkte sind durchgreifend zu kontrollieren. Der Berechnungsgang und die Genauigkeit der Punktbestimmung sind nachzuweisen (siehe auch Kapitel 3).

A 1.1.3 Bildflug

(1) Die Wahl der Aufnahmekammer, der Flughöhe und des sich daraus ergebenden Bildmaßstabes ist den vorgegebenen Genauigkeitsanforderungen und der aufzunehmenden Geländeoberfläche anzupassen.

(2) Der Bildflug ist so durchzuführen, dass die aufzunehmende Geländeoberfläche vollständig überdeckt wird und sich dreidimensional auswerten lässt, soweit sie luftsichtbar ist.

Die Überdeckung in Längsrichtung darf 60 % und die Überlappung in Querrichtung 20 % nicht unterschreiten.

(3) Es sind von allen Bildern Kontaktabzüge und eine Bildmittenübersicht herzustellen. Die Bildmittenübersicht muss die Bildmitten, die Flugstreifen, die Bildnummern und ein Koordinatengitter enthalten. Die Kontaktabzüge der Bilder und die Bildmittenübersicht sind nachzuweisen.

A 1.1.4 Auswertungen

A 1.1.4.1 Vektorformat

(1) Luftbildvermessungen in bebauten Bereichen der Liegenschaft und für Planungsaufgaben mit direktem Höhenbezug sind grundsätzlich im Vektorformat auszuwerten.

Art und Umfang der Auswertung sind im Einzelfall auf der Grundlage des Objektartenkataloges (Anhang A) festzulegen. Die Auswertungen sind gemäß Kapitel 4.6 aufzubereiten.

Kleinmaßstäblichere Auswertungen als im Basismaßstab 1:500 des Objektartenkatalogs sind in Art und Umfang aufgabenbezogen zu definieren.

A 1.1.4.2 Orthophotopläne

(1) Für Planungsaufgaben ohne direkten Höhenbezug, z. B. Biotopkartierungen oder Altlastenerkundungen, können für unbebaute Bereiche der Liegenschaft Orthophotopläne erstellt werden.

(2) Der Maßstab ist der Planungsaufgabe anzupassen.

(3) Sie sind als Rahmenpläne in einem einheitlichen Blattschnitt zu erstellen und parallel zu den Koordinatenachsen des einheitlichen, liegenschaftsbezogenen Lagebezugssystems auszurichten. Die Blätter sind eindeutig mit einer dreistelligen Blattnummer zu nummerieren.

(4) Orthophotopläne sind digital aufzubereiten und entsprechend der Vorgaben für den Datenaustausch (Kapitel 5) im Rasterformat zu übergeben. Für jedes Blatt eines Orthophotoplanes sind die Koordinaten der linken unteren Ecke sowie der Orientierung im einheitlichen Lagebezugssystem der Liegenschaft zu bestimmen. Die Blattnummer, die Koordinaten der linken unteren Ecke des Blattes, die Orientierung sowie der zugehörige Dateiname sind tabellarisch nachzuweisen.

A 1.1.4.3 Luftbildinterpretation

(1) Für den Nachweis flächenhafter Sachverhalte mit geringen geometrischen Genauigkeitsanforderungen, z. B. die Festlegung kontaminationsverdächtiger Flächen (KVF) in Phase 1 der Altlastenerkundung sowie Biotopkartierungen, können Luftbilder interpretiert und die Begrenzungslinien auf der Grundlage einer vorhandenen Liegenschaftsbestands­dokumentation (Kapitel 2) vektoriell festgelegt werden.

(2) Art, Umfang und Genauigkeit der Ergebnisse der Luftbildinterpretation werden in den Systemkatalogen (Anhänge A-C) geregelt.

(3) Die Luftbildaufnahmen sind entsprechend den aufgabenspezifischen Vorgaben, z. B. Infrarotaufnahmen für die Aufdeckung von Vegetationsschäden, auszuführen.

(4) Die Luftbilder sind vor der Interpretation zu entzerren bzw. es sind Orthophotos herzustellen.

(5) Die Ergebnisse der Luftbildinterpretation sind lagemäßig im einheitlichen, liegenschaftsbezogenen Lagebezugssystem anzugeben.

A 1.1.5 Airborne Laserscanning

Zur Erstellung von Höhenmodellen der Liegenschaften können die Verfahren des airborne Laserscannings eingesetzt werden.

Genauigkeitsanforderungen, Detaillierungsgrad sowie Datenaustauschformate sind vor der Messung aufgabenbezogen festzulegen. Die Vorgaben der Luftbildmessung  (Kapitel A1.1.1 dieser Anlage) sind sinngemäß anzuwenden.

A 1.1.6 Nachweise der Luftbildvermessung

(1) Für die Luftbildvermessung sind folgende Nachweise zu erbringen:

  • Überprüfung der Anschluss­punkte für die Passpunktbestimmung,
  • Nachweise zur Bestimmung von LAP/LHP (Kapitel 3),
  • Kontaktabzüge aller Bilder,
  • Bildmittenübersicht,
  • aufbereitete Messergebnisse in digitaler Form,
  • ggf. aufbereitete Messergebnisse in Form von Plänen,
  • bei Orthophotoplänen Blattnummerierung, Geocodierung der linken unteren Ecke und Dateizuordnung.

(2) Die Nachweise der Luftbildvermessung sind vor der Abgabe durch die ausführende Stelle gemäß Kapitel 5 auf Genauigkeit, Vollständigkeit sowie Fehlerfreiheit zu überprüfen und durch Unterschrift zu bestätigen.

(3) Die Ergebnisse der Luftbildvermessung sind zeitnah in die Liegenschaftsbestands­dokumentation zu übernehmen.